Optimierung von Softwareanwendungen und Lizenzen durch Virtualisierung


In diesem Kapitel erfahren Sie u.a.:

Das letzte Kapitel dieses Buches befasst sich mit dem Thema Softwarevirtualisierung und den Auswirkungen auf die IT-Geschäftsprozesse im Unternehmen. Dieses Kapitel kann nur eine erste Einführung in das Thema bieten und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da ständig neue Softwareprodukte und Technologien am Markt verfügbar sind. Wenn Sie sich einen groben Überblick verschaffen wollen, was es mit der Virtualisierung von Software auf sich hat und welchen Nutzen Sie daraus ziehen können, sollten Sie dieses Kapitel lesen. Bedingt durch den schnellen Technologiewandel gerade im Umfeld von Softwarevirtualisierungen, sollten Sie sich bei weitergehendem Interesse im Internet über den aktuellen Stand dieser Technologien informieren.


19.1 Warum Software virtualisieren?

In Kapitel 1.5 („Lizenzmanagement Ausblicke und Trends“) haben wir schon einen kleinen Abstecher zu diesem Thema unternommen. Es ist immer wieder interessant, wie sich bestimmte Methodenansätze auf einer etwas anderen Ebene in der IT-Geschichte wiederholen bzw. mit einem neuen „Anstrich“ unter Verwendung der neuesten Technologien wieder hervorkommen. Früher und teilweise auch heute noch waren es Anwendungen, die auf dem Großrechner liefen und über Terminals gesteuert wurden. Dort wurden die Anwendungen auch „gehostet“ und teilweise in virtuellen Umgebungen betrieben. Im Prinzip war das zur damaligen Zeit nicht wesentlich anders als heute, wenn es um Virtualisierung geht – mit dem Unterschied, dass es heute einige bunte Bildchen und eine Maus dazugibt.
Bei Virtualisierung sollten Sie nicht nur an die technische Konsolidierung und bessere Auslastung von Servern denken. Die Softwarevirtualisierung für Desktopanwendungen entwächst allmählich den Kinderschuhen und wird in ihrer Anwendung und Durchführung immer benutzerfreundlicher, fristet aber immer noch ein Nischendasein. Die jährliche Wachstumsrate solcher Lösungen wird in den USA laut einer Studie von IDC und Credit Suisse bis 2012 jedoch auf 36 Prozent geschätzt, während die Server-Virtualisierung laut IDC nur mit durchschnittlich 22,6 Prozent wachsen wird.

19.2 Voraussetzungen schaffen

Um Softwareanwendungen zu virtualisieren, sollte nicht mit der Gießkannenmethode im Softwareportfolio nach potenziellen Kandidaten gesucht werden. Sinnvoll ist das nur, wenn die zu virtualisierenden Softwareanwendungen zwar einen wichtigen Beitrag zu den Geschäftsprozessen im Unternehmen leisten, aber von so geringer täglicher Nutzung sind, dass es eigentlich aus Kostengründen nicht vertretbar ist, diese auf alle lokalen Systeme auszurollen. Also wäre die erste zu schaffende Voraussetzung, um die Kandidaten für eine Softwarevirtualisierung zu identifizieren, eine Konsolidierung des Softwareportfolios durch eine Softwarenutzungsanalyse. Damit Sie sich nicht im Glücksspiel verlieren, benötigen Sie eine fundierte Basis – über den erreichbaren Kosten-/Nutzeneffekt Ihres Softwarevirtualisierungs-Projektes. Mit der Methode (siehe Kapitel 18) der Softwarenutzungsanalyse können Sie bei einem ausreichend langen Messzeitraum mit ziemlicher Sicherheit die Softwareanwendungen herausfiltern, die beispielsweise weniger als 1% Nutzung im Messzeitraum erzeugt haben. Diese Ergebnisse bilden den Grundstock für Ihr Softwarevirtualisierungs-Projekt.


Hinweis

1. Nachdem Sie in einem ersten Schritt die Software identifiziert haben, die Sie virtualisieren wollen, müssen Sie in einem zweiten Schritt prüfen, ob der Softwarehersteller eine Virtualisierung seiner Produkte überhaupt gestattet (Stichwort Lizenzvertrag – Nutzungsvereinbarung).
2. Aufgrund der erheblichen technischen Voraussetzungen in punkto Material und Know-how lohnt es sich erst ab einer Unternehmensgröße von 250 Desktopsystemen, ein Virtualisierungsprojekt für Softwareanwendungen ins Auge zu fassen..

Die Kernfragen, lauten nun:

Um die beiden Fragen beantworten zu können, müssen Sie die bereits erwähnte Softwarenutzungsanalyse durchführen. Nur mit diesen Zahlen können Sie eine ausreichend belastbare Übersicht Ihrer im Unternehmen aktiven und mehr oder weniger genutzten Software erhalten. Gehen wir einmal davon aus, dass Sie den Fokus auf die Softwareanwendungen richten, die nicht überwiegend zur alltäglichen Abwicklung Ihrer Geschäftsprozesse im Unternehmen gebraucht werden. Diese Softwareanwendungen müssen Sie identifizieren. Am einfachsten, genauesten und schnellsten geht das mit der schon mehrmals genannten Softwarenutzungs-Analyse. Genau diese Methode kann uns jetzt helfen, unsere Kandidaten für eine Virtualisierung zu identifizieren.


19.3 Grundlagen der Anwendungs-Virtualisierung

Die Virtualisierung von Anwendungen soll bekannte Probleme im Desktop-Umfeld lösen helfen. So sind Anwendungen beispielsweise nicht immer gleich unter allen am Markt verfügbaren Betriebssystemen lauffähig, oder es gibt Einschränkungen beim Betrieb von unterschiedlichen Softwareanwendungen auf gleichen Desktopsystemen.
Die engen Schranken, die das klassische Desktopbetriebssystem Softwareanwendungen auferlegt, können durch eine Virtualisierung aufgehoben werden. So ist es beispielsweise durchaus möglich, eine 64-Bit-Windowsversion auf einem Desktopsystem mit 32-Bit-Betriebssystem laufen zu lassen, sobald es in einer virtuellen Umgebung installiert und betrieben wird. So können beispielsweise Softwareanwendungen in ihrer Entwicklungsphase ohne Mehraufwand getestet werden. Im Kern gaukelt eine Virtualisierungsumgebung der Softwareanwendung seine von ihm geforderte Umgebung vor. Dabei kann es die Ressourcen des Systems wie gewohnt nutzen. Ihm wird eine komplette virtuelle Welt vorgespielt.

 

Leseprobe Ende